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Deutsche Investitionen in Rio Grande do Sul


Brasilien, wer kennt es nicht, das Land am Zuckerhut, das vor allem durch seinen Karneval, den Samba und seinen Zauberfußball weltweit in aller Munde ist. Es ist aber längst an der Zeit, dieses einseitige Klische etwas aufzupolieren, denn das größte Land Lateinamerikas bietet weitaus mehr als nur touristische Highlights. Besonders heute wird Brasilien, das weitaus weniger unter der aktuellen Wirtschaftskrise gelitten hat als andere Industrienationen, mit seinen schier unendlichen Geschäftsmöglichkeiten in den unterschiedlichsten Bereichen als sicherer Hafen für nationale und internationale Investitionen genutzt. Dabei unterscheiden sich die einzelnen Regionen dieses Landes mit kontinentalen Ausmaßen teilweise sehr stark und weisen eine überaus hohe kulturelle und wirtschaftliche Vielfalt auf, so dass sich für eigentlich jeden investitionsfreudigen Unternehmer irgendeine erfolgversprechende Alternative bietet. Als eine dieser Regionen sticht dabei besonders der Süden Brasiliens, bestehend aus den drei Bundesstaaten Paraná, Santa Catarina und Rio Grande do Sul, hervor.

Und hier wiederum misst man Rio Grande do Sul die größte wirtschaftliche Bedeutung zu. Das hat vielerlei Gründe. Der Bundesstaat mit einer Fläche von 282.184 km² und mit ca. 11 Millionen Einwohnern liegt im äußersten Süden Brasiliens, einer Schlüsselstelle Südamerikas, da von hier aus die wichtigsten Wirtschaftszentren des Mercosur (Gemeinsamer Binnenmarkt in Südamerika mit den Mitgliedsstaaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay) in unmittelbarer Reichweite liegen. Diese vorteilhafte Lage macht Rio Grande do Sul mit der Hauptstadt Porto Alegre zu einem Zentrum des wirtschaftlichen Geschehens in Südamerika, zumal das Bruttoinlandsprodukt des Bundesstaates (ca. 7% von Brasilien) jenes anderer südamerikanischen Länder, wie beispielsweise Uruguay, Paraguay, Ecuador oder Bolivien übersteigt. Auch im Außenhandel zeigt Rio Grande do Sul starke Verflechtungen mit dem Ausland. Im Exportranking liegt Rio Grande do Sul unter den brasilianischen Bundesstaaten auf dem dritten Platz. Viele US-amerikanische und europäische Firmen sind bereits in Rio Grande do Sul vertreten. Starke Wirtschaftszweige sind unter anderem die Schuh- und Lederverarbeitung, Petrochemie, Metallverarbeitung, Möbelherstellung, Agrobusiness, erneuerbare Energien und die Automobilindustrie. Gerade in diesen Bereichen konnten die deutschen Firmen durch ihr vorhandenes Know- how punkten und sich von hier aus auf dem brasilianischen Markt etablieren.

Das deutsche Engagement in Rio Grande do Sul reicht bis zum Jahre 1824 zurück, als die ersten deutschen Einwanderer sich hier niederließen. Mit ihren handwerklichen Kenntnissen legten sie den Grundstein für die spätere metallverarbeitende Industrie sowie für die Schuh- und Lederindustrie des Landes. Aufgrund der günstigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, der vorherrschenden europäischen Mentalität und den vorhandenen qualifizierten Arbeitskräften, welches nicht zuletzt auf die ausgezeichnete Hochschulstruktur zurückzuführen ist, wurde Rio Grande do Sul ab der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts zu einem beliebten Investitionsstandort für deutsche Unternehmen, die eigene Tochtergesellschaften gründeten oder Partnerschaften mit brasilianischen Unternehmen eingingen.

Epcos do Brasil zum Beispiel, 1954 in Porto Alegre gegründet und heute in Gravataí (Großraum Porto Alegre) ansässig, wurde jüngst zum insgesamt fünften Mal – und zum vierten Mal in Folge – als eines der erfolgreichsten Exportunternehmen des Bundeslandes Rio Grande do Sul ausgezeichnet. Auf gleicher Augenhöhe mit den asiatischen Herstellern von Bauelementen sind weit mehr als 60% der Produktion von Epcos für den Export bestimmt. Das Unternehmen stellt jährlich mehr als 1,7 Milliarden Elektrolyt- Kondensatoren her, die in den verschiedensten Segmenten der Elektroindustrie Anwendung finden.

Ciber Equipamentos Rodoviários, ansässig in Cachoeirinha (Großraum Porto Alegre) und zur deutschen Wirtgen – Gruppe gehörend, ist Marktführer bei der Produktion von Baumaschinen zur Herstellung, Wartung und Erneuerung von Asphaltstraßendecken. Von der deutschen Muttergesellschaft wurde Ciber ausgewählt, neben dem brasilianischen Markt auch alle übrigen amerikanischen Märkte (inklusive des US-amerikanischen) zu beliefern. Ciber ist das einzige Unternehmen in Lateinamerika, das eine „full line“ – Produktpalette, d.h. alle Maschinen für den Asphalt- und Betonstraßenbau sowie deren Wartung, anbietet. Der Leiter von Ciber, Walter Rauen de Souza, geht davon aus, dass sowohl von seiten der brasilianischen Regierung als auch über Public-Private-Partnership Programme (PPPs) von der Privatwirtschaft in absehbarer Zeit wieder verstärkt in die Erweiterung und Modernisierung des brasilianischen Straßennetzes investiert wird. Der brasilianische Zweig der Wirtgen-Gruppe exportiert seine Maschinen in insgesamt 14 Länder.

Das Unternehmen STIHL Ferramentas Motorizadas Ltda, das zur deutschen Andreas Stihl Gruppe gehört, ist der größte Motorsägen und Motorsensenhersteller in Lateinamerika. Das seit 36 Jahren in Brasilien, in der Stadt São Leopoldo (40km von Porto Alegre entfernt) ansässige Unternehmen versorgt neben dem brasilianischen und lateinamerikanischen seit neustem auch den afrikanischen und asiatischen Markt mit seinen Produkten. Innerhalb der Stihl - Gruppe beliefert der brasilianische Zweig die anderen Niederlassungen mit Maschinenteilen, darunter Kurbelwellen, Magnesiumgußteile, Plastikteile und vor allem Zylinder. Innerhalb der Stihl – Gruppe hat sich das Unternehmen aus São Leopoldo darüber hinaus zu einem Service- und Technologiezentrum entwickelt, in dem in Zusammenarbeit mit dem deutschen Mutterhaus neue Produkte entwickelt und getestet werden. Die brasilianische Niederlassung beschäftigt heute über 1.100 Mitarbeiter und verzeichnete 2008 einen Umsatz von R$ 434 Mio. (ca. 150 Mio. Euro).

Im Jahr 2004 wurden die Chemie- und Kunststoffaktivitäten aus dem deutschen Bayer-Unternehmen ausgegliedert und in die neugegründete Firma Lanxess überführt. Als eigenständiges Unternehmen ist Lanxess mittlerweile an der Frankfurter Aktienbörse gelistet. In Rio Grande do Sul hat Lanxess, die ehemalige Bayer AG Rio Grande do Sul, ihren Sitz in São Leopoldo, im Großraum von Porto Alegre. Sie stellt Lederchemikalien, Farbstoffe und Pigmente her, die vor allem in den Gerbereien des Bundeslandes Anwendung finden. Darüber hinaus befinden sich im umfangreichen Sortiment des Unternehmens, die brasilianische Hauptniederlassung befindet sich in São Paulo, technische Kunststoffe, Chemikalien für Papier und Zellulose und für den Materialschutz. Weltweit ist Lanxess in über 18 Ländern mit 50 Niederlassungen vertreten, die insgesamt über 5.000 verschiedene Chemikalien und Kunststoffe anbieten.

Die DHB, ein Automobilzulieferer aus Rio Grande do Sul, kündigte kürzlich an mit dem Unternehmen Ixetic, einem Hersteller von Hydraulik- und Vakuumpumpen, aus Deutschland eine strategische Partnerschaft einzugehen. Ixetic beliefert in Europa bereits die Premiummarken Audi, BMW, Mercedes Benz, Porsche. Der Direktor von DHB verspricht sich von der Zusammenarbeit neue Geschäftsmöglichkeiten und eine Erweiterung des Produktportfolios. Im Rahmen der Zusammmenarbeit wird DHB die Produkte von Ixetic in Südamerika vermarkten, weiterhin besteht die Möglichkeit einer Expansion der Vermarktung der eigenen Produkte außerhalb Südamerikas. „Heute spricht man nicht gerne über Investitionen, weil es weltweit Überkapazitäten gibt, trotzdem eröffnen sich uns hiermit neue Wege. Die Partnerschaft wird den Verkauf erhöhen und die Endkundenbetreuung verbessern“, so die Meinung von DHB. Um das Segment der Klein-PKW und Luxusfahrzeuge erreichen zu können, investiert DHB in die Qualifizierung des Servicepersonals, um Agilität im Bereich der Einzelteile zu garantieren. Ixetic aus Deutschland beschäftigt rund 1.200 Mitarbeiter und weist einen Umsatz von ca. 300 Millionen Euro aus. Ixetic war Teil der INA Holding Schaeffler KG bis sie 2006 von der Investmentgruppe Cognetas übernommen wurde.

Auf einer Delegationsreise von Vertretern aus Politik und Wirtschaft aus Rio Grande do Sul im März 2009 nach Deutschland wurden unter anderem Möglichkeiten des Bundesstaates im Bereich der erneuerbaren Energien präsentiert. Ein Treffen mit der Wirtschafts- und Energieministerin des Landes Nordrhein- Westfalen, Christa Thoben, bot dem Landesminister für Entwicklung und internationale Angelegenheiten, Márcio Biolchi, die Gelegenheit über Investitionen Deutschlands im Bereich der Biokraftstoffe zu sprechen. Biokraftstoffe besitzen in Rio Grande do Sul aufgrund der großen landwirtschaftlichen Bedeutung (ca. 12% der gesamten landwirtschaftlichen Produktion Brasiliens befinden sich im Bundesstaat) ein enormes Potential. Doch auch in anderen Bereichen der erneuerbaren Energien gibt es bereits deutsches Engagement zu vermelden. Im Bereich der Windenerige hat sich die Enercon GmbH, in Brasilien unter dem Namen Wobben Windpower geläufiger, bereits etabliert. So wurden in den letzten Jahren sowohl im Nordosten als auch im Süden Brasiliens mehrere Windkraftanlagen errichtet, die größten und leistungsstärksten davon in Rio Grande do Sul.

Neben all diesen Erfolgsstories deutscher Unternehmen, die den Schritt gewagt und sich in dem aufstrebeneden Rio Grande do Sul niedergelassen haben, gibt es noch eine Vielzahl anderer internationaler Konzerne, die das südlichste Bundesland Brasiliens als Investitionsziel gewählt haben. So hat z.B. der Gigant General Motors vor wenigen Jahren in der Nähe von Porto Alegre eine der modernsten Automobilfabriken Lateinamerikas errichtet. Auch John Deere eröffnete erst im Mai 2008 eine Traktorenfabrik in Rio Grande do Sul und ergänzte damit seine Produktionseinheit für Erntemaschinen im Bundesstaat, ein Zeichen für die strategische Position Rio Grande do Suls im Agrobusiness. Natürlich möchten wir an dieser Stelle auch andere Namen nicht vergessen, die durch ihre Präsenz zum wirtschaftlichen Wohlstand des Bundesstaates beigetragen haben bzw. immernoch beitragen, wie z.B. Siemens, BASF, Microsoft, HP, Dell Computer, sowie die brasiliansichen Firmen, wie den größten Stahlfabrikanten Lateinamerikas Gerdau, die Unternehmen aus dem Bereich Nutzfahzeuge wie Marcopolo und Randon, den Chemieriesen Braskem und viele andere.

Für weitere Informationen steht Ihnen gerne die Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer in Porto Alegre zur Verfügung (E-Mail: ahkpoa@ahkpoa.com.br). Wir würden uns freuen, wenn wir ein wenig Ihr Interesse an dieser vielversprechenden Region wecken konnten.

 
  Deutsch-Brasilianische Industrie- und Handelskammer Porto Alegre | Rua Castro Alves, 600 | PLZ 90430-130 | Porto Alegre – RS | Tel.: +5551 3222-5766 | Fax: +5551 3222-5556 | E-mail: ahkpoa@ahkpoa.com.br
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